Leitbild


fotoK wurde 2004 von Pascal Petignat und Martin Scholz-Jakszus mit dem Ziel gegründet, einen qualitativ hochstehenden und praxisnahen Ort für die Ausbildung in künstlerischer Fotografie zu schaffen sowie die Präsentation und Diskussion von aktuellen fotografischen Positionen zu fördern.

Derzeit gibt es an zwei verschiedenen im 15. Wiener Bezirk folgendes Angebot:
fotoK [werkstatt] in der Grangasse 5:
• modulare Ausbildung für künstlerische Fotografie
• eine profesionell ausgestattete Produktionsstätte für künstlerische Fotografie
• ein Artist in Residence Programm
fotoK [galerie] in der Reindorfgasse 38:
• einen Denk-, Arbeits- und Ausstellungsraum sowie Kooperationsprojekte mit verschiedenen Kulturinstitutionen

fotoK Leitbild

Kein ikonographisches Medium wird heute in einer derartigen Breite verwendet und konsumiert wie Fotografie. – Gerade aus dieser selbstverständlichen Allgegenwart heraus entstehen aber auch die Spannungsfelder und Missverständnisse, die dem Medium anhaften. So führen die Ansätze, das Wesen der Fotografie zu klären, zu scheinbar dermaßen gegensätzlichen Erkenntnissen, dass dabei auch immer wieder die Frage auftaucht, ob es denn so etwas wie „die Fotografie“ überhaupt geben kann.1

Genau diese Diversität und Widersprüchlichkeit, die Fotografie mit sich bringt, macht sie für künstlerische Ansätze gleichermaßen spannend wie komplex. Vielleicht ist es der historische Abstand – verbunden mit der digitalen Revolution, der sie als künstlerisches Medium in den letzten Jahren so unglaublich erfolgreich werden ließ. Gewiss ist es aber die Fähigkeit, in sehr vielen, teilweise gegensätzlichen Kontexten als Bild zu funktionieren. Dabei entscheidet aber immer erst der Kontext, in welchem sich das ästhetische Produkt Fotografie bewegt, über die qualitativen Anforderungen. So wird beispielsweise der Fotografie als Werbung, als Erinnerung oder als Dokument jeweils eine andere Erwartungshaltung entgegengebracht. Natürlich hat sich die Fotografie seit ihrer Existenz auch immer als künstlerisches Medium qualifiziert, aber erst im ausgehenden 20. Jahrhundert konnte sie sich eine starke und nachhaltige Position gegenüber anderen Kunstsparten sichern. Eine Entwicklung, die sich an der Institutionalisierung der Fotografie durch Galerien, Magazine, Schulen, Festivals usw. festmachen lässt. Österreich ist in diese Entwicklung relativ spät eingestiegen.2

fotoK wurde mit der Absicht gegründet, eine Institution zu betreiben, die sich konsequent und nachhaltig mit der Produktion von Fotografie im Kontext von zeitgenössischer Kunst auseinander setzt und diese fördert.3
– Diese Ziele sollen durch eine offene und flexible Struktur erreicht werden, die auf mehreren Ebenen agiert, diese vernetzt, überlagert oder parallel laufen lässt. Die dadurch entstehende Dynamik soll kontinuierlich Impulse für die künstlerische Produktion von Fotografie in Österreich geben. Die zentralen Ebenen hierfür sind die Wissensvermittlung und der Austausch, die Veröffentlichung künstlerischer Arbeiten und der Betrieb einer hochwertigen Produktionsstätte.
Mit der Entscheidung in einer ehemaligen Parkettbodenfabrik im 15. Wiener Gemeindebezirk auf etwa 600 Quadratmetern eine hochwertige Infrastruktur einzurichten, die der Produktion künstlerischer Fotografie dient, wird den hohen technischen und handwerklichen Anforderungen, die das Medium Fotografie mit sich bringt und dieses auszeichnen (selbst wenn man sich bewusst davon distanziert) entsprochen. Damit wird vor allem die Möglichkeit geboten, sich mit den Produktionsverfahren und -abläufen von Fotografie vertraut zu machen und diese – als Alternative zu professionellen Laboren – für die eigene künstlerische Produktion zu nützen. Diese Infrastruktur wird im Zuge der Ausbildung für künstlerische Fotografie genutzt und im Sinne einer Produktionspartnerschaft KünstlerInnen oder Institutionen zugänglich gemacht.

Eine weitere wichtige Ebene kreist um die Fragestellung, wie Fotografie als Kunst veröffentlicht und einem Publikum vermittelt werden kann und findet im Denk-, Arbeits- und Ausstellungsraum ihren Niederschlag. Gezeigt werden dabei Positionen, die im Kontext von fotoK relevant sind. Dabei geht es darum auszuloten welche inhaltlichen und ästhetischen Strategien Fotografie ermöglicht, Arbeiten zu veröffentlichen, die noch nicht etabliert sind, und im Austausch internationale Positionen einzubringen.

Charakteristisch für das Programm fotoK-Aktion ist dabei, dass die Programmgestaltung sehr flexibel und offen ist und auf mehreren Ebenen stattfindet (Ausstellungen, Talks, fotoK Edition, Festivals, Projekte)

Den Bereich der Ausbildung nimmt fotoK in der Konzeption und Durchführung einer modularen Ausbildung für künstlerische Fotografie wahr.4 Im Mittelpunkt des Lehrgangs steht das Erarbeiten einer eigenständigen fotografischen Bildsprache und die Formulierung eines persönlichen Zugangs zur Fotografie. Die StudentInnen setzen sich dabei mit den Möglichkeiten von Fotografie in Kunst, Medien und Werbung auseinander und lernen in der Auseinandersetzung mit klassischen und zeitgenössischen fotografischen Konzepten ihre eigene Bildsprache zu entwickeln und im Kunstkontext zu positionieren. Die Grundpfeiler des Lehrgangs sind die starke Ausrichtung auf die künstlerische Produktion, die kontinuierliche Evaluierung der entstehenden Arbeiten und die Vermittlung von handwerklichem und theoretischem Wissen. Der Lehrgang wendet sich an Personen, die eine grundlegende, professionelle Ausbildung im Bereich der Fotografie suchen und an KünstlerInnen, die bereits eine Ausbildung absolviert haben und sich in Richtung Fotografie weiterentwickeln wollen und ist so organisiert, dass er auch nebenberuflich absolviert werden kann. Ein wichtiger Aspekt der Ausbildungstätigkeit ist, dass die entwickelten Positionen und Strategien einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht und diskutiert werden.
Vor allem der Austausch spielt auch in der Evaluierung eine wichtige Rolle, weil so die Qualität von fotoK durch einen kontinuierlichen Input von außen ständig thematisiert wird. fotoK sieht sich nicht nur verpflichtet, künstlerische Fotografie in Österreich zu fördern und zu vermitteln, sondern auch ihre Qualität hinsichtlich aktuellen internationalen Strömungen, Standards und Paradigmen zu hinterfragen.
Natürlich sieht sich fotoK gegenüber seinen Mitgliedern, Subventionsgebern, Sponsoren und der Öffentlichkeit verpflichtet, die finanziellen, materiellen und geistigen Ressourcen effizient und verantwortungsvoll zu verwalten und eine bewusst sehr schlanke Organisation zu gewährleisten. Vor allem durch die ehrenamtliche Übernahme vieler Tätigkeiten durch die Mitglieder wird das Bestehen von fotoK erst ermöglicht. Dabei spielt auch das Internet eine wichtige Rolle, wo neben dem öffentlichen Auftritt eine interne, für Mitglieder zugängliche Seite eingerichtet wurde, über die sehr viele administrative und organisatorische Fragen abgewickelt werden.


1: „Nur wenige vergleichbare Fälle finden sich in der Welt, bei denen ein einfach und klar abzusteckendes Feld – hier die Welt, da der Apparat, dort das Bild der Welt – so viele Missverständnisse erzeugt hat wie bei jenem der Fotografie.“ (Urs Stahel, Das ist Fotografie!, Fotomuseum Winterthur 1998.)

2: „Aber es ist allgemein in Europa erst in den späten siebziger Jahren etwas für Fotografie als Kunst getan worden. Und die österreichische Bildkultur der Nachkriegszeit hat noch dazu die technischen Medien nicht für voll genommen.“ (Monika Faber, Scope 12/99.)

3: fotoK wurde im Februar 2004 als gemeinnütziger Verein in Wien gegründet und übernahm inhaltlich und operativ die Aktivitäten, die 1999 in der Gründung eines Lehrgangs für künstlerische Fotografie ihren Beginn fanden, und bis 2003 von der VHS Alsergrund getragen wurden.

4: Der Lehrgang wurde 1999 von Martin Scholz-Jakszus ins Leben gerufen und 2004 von fotoK übernommen.